14. Februar: Liebe braucht Schutz – One Billion Rising und der Kampf gegen Gewalt an Frauen
Der 14. Februar ist vielen als Valentinstag bekannt – ein Tag der Liebe, der Rosen und romantischen Gesten. Gleichzeitig ist er seit 2012 auch ein internationaler Aktionstag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen: One Billion Rising. Weltweit gehen Menschen an diesem Tag auf die Straße, um auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam zu machen, das bis heute fortbesteht und verheerende Ausmaße hat.
Gewalt an Frauen und Mädchen ist keine Randerscheinung und kein individuelles Problem, sondern ein struktureller, gesellschaftlicher Missstand.
Women on fire – Gewaltprävention braucht strukturellen Wandel
Unter dem diesjährigen Motto: „Women on fire – Ni una Menos. Rise for empathy“, findet der diesjährige Aktionstag statt, denn der Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt erfordert dauerhafte politische, rechtliche und gesellschaftliche Veränderungen. Dazu gehört die klare Anerkennung, dass geschlechtsspezifische Gewalt tief in gesellschaftlichen Machtverhältnissen verwurzelt ist.
Es braucht:
den Ausbau von Prävention und Empathie-Förderung,
eine konsequente Benennung von Gewalt als gesellschaftliches und patriarchal geprägtes Problem,
verlässliche Schutzangebote für Betroffene
und wirksame, frühzeitige Interventionen gegenüber gewaltausübenden Personen – dafür setzt sich die Servicestelle Wegweiser ein.
Gewalt in Beziehungen: Das Zuhause, ein unsicherer Ort
Die Partner*innenschaft gilt in unseren Köpfen als Ort von Nähe, Sicherheit und Selbstbestimmung. Die Realität zeigt jedoch: Gerade in Beziehungen geschieht ein großer Teil der Gewalt gegen Frauen. Das Zuhause stellt keinen sicheren Ort da, sondern den, wo am häufigsten Gewalt gegen Frauen und Kinder ausgeübt wird.
Femizide – also Tötungen von Frauen aufgrund ihres Geschlechts – machen dies in drastischer Weise sichtbar. Sie geschehen häufig im sozialen Nahraum, oft im Kontext von (Ex-)Partner*innenschaften. Frauen werden getötet, weil sie Frauen sind, weil sie sich trennen wollen, weil sie sich der Kontrolle in einer Gewaltbeziehung entziehen oder weil patriarchale Besitzansprüche fortbestehen.
Diese Gewalt ist kein Einzelfall und kein „Beziehungsdrama“. Sie ist Ausdruck struktureller Ungleichheit und fehlender Schutzmechanismen.
Aktuelle Entwicklungen: Gewaltschutz weiterdenken
Der aktuelle Referentenentwurf zum neuen Gewaltschutzgesetz zeigt, dass das Thema zunehmend politisch anerkannt wird. Nicht nur die elektronische Aufenthaltsüberwachung nach dem sog. spanischen Modell soll eingeführt, sondern auch eine Rechtsgrundlage geschaffen werden für die Verpflichtung von Tätern zur Teilnahme an sozialen Trainingskursen oder Gewaltpräventionsberatung. Diese Neuentwicklung ist ein wichtiger Schritt. Auch der proaktive Ansatz soll durch seine Niedrigschwelligkeit dazu beitragen, gewaltausübende Personen zu motivieren, längerfristige Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Entscheidend wird jedoch sein, wie konsequent diese Maßnahmen umgesetzt und miteinander verzahnt werden.
Gewaltschutz bedeutet mehr als Reaktion nach einer Tat. Er muss präventiv, interdisziplinär und langfristig angelegt sein – um sowohl Betroffene zu schützen als auch Gewaltursachen zu bearbeiten und klar zu adressieren.
Täterarbeit als Teil eines wirksamen Gewaltschutzes
Ein nachhaltiger Schutz vor Gewalt gelingt nur, wenn gewaltausübende Personen frühzeitig erreicht und in Verantwortung genommen werden. Täterarbeit ist dabei kein Gegensatz zum Opferschutz, sondern ein notwendiger Bestandteil. Sie trägt dazu bei, Risiken zu senken, Eskalationen zu verhindern und Gewalt langfristig zu reduzieren.
Die Servicestelle Wegweiser setzt sich dafür ein, Täterarbeit niedrigschwellig zugänglich zu machen, strukturell zu stärken und eng mit dem Hilfesystem zu vernetzen.
One Billion Rising: Solidarität zeigen – Verantwortung übernehmen
One Billion Rising steht für Solidarität, Sichtbarkeit und den gemeinsamen Einsatz gegen Gewalt. Der 14. Februar erinnert uns daran, dass Liebe ohne Gewalt nicht selbstverständlich ist – sondern politisch, gesellschaftlich und praktisch immer wieder neu erkämpft werden muss. An diesem Tag wird um 16:00 Uhr vor dem Brandenburger Tor ein wichtiges Zeichen gesetzt: „Keine mehr“ – Ni Una Menos. Jeder Femizid ist einer zu viel.