Die Servicestelle Wegweiser – Beratung und Unterstützung bei Gewaltvorwürfen
Angezeigt… und nun?
Gerade in engen privaten oder familiären Beziehungen dauert es oft lange, bis es zu einer Anzeige bei der Polizei kommt. Häufig gab es davor bereits viele Konflikte, Probleme in der Beziehung oder Schwierigkeiten in der Kommunikation. Die Folgen betreffen alle Beteiligten.
In Berlin gibt es viele Beratungs- und Unterstützungsangebote – nicht nur für Betroffene von Gewalt, sondern auch für beschuldigte Personen und Täter*innen. Trotzdem fällt es vielen Menschen schwer, das passende Angebot zu finden. Oft ist unklar, welche Hilfe sinnvoll ist und wo man sie bekommt.
Ob ein Antigewaltkurs, ein soziales Training oder eine Einzelberatung passend ist, lässt sich am besten gemeinsam mit Fachkräften klären.
Hinzu kommen häufig Scham, Unsicherheit oder das Gefühl, das eigene Verhalten herunterzuspielen. Schon die Erkenntnis, dass Unterstützung helfen könnte, ist oft ein großer Schritt. Sich dann Hilfe zu suchen, ist für viele noch schwieriger.
Warum wir aktiv Kontakt aufnehmen
Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit beschuldigten Personen, Täter*innen und Menschen, die Gewalt vermeiden wollen, wissen wir: Aktive Kontaktaufnahme erleichtert den Zugang zu Hilfe. Viele Menschen würden sich ohne ein solches Angebot nicht selbst melden – profitieren später aber deutlich von der Unterstützung.
Erfahrungen aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland zeigen, dass etwa die Hälfte der Personen ein Unterstützungsangebot annimmt, wenn es aktiv angeboten wird.
Was bieten wir Ihnen?
In einem ersten Gespräch klären wir gemeinsam mit Ihnen, welche Unterstützung Sie brauchen.
Dabei geht es nicht um:
die vorgeworfene Straftat
Schuldfragen
oder das polizeiliche Ermittlungsverfahren
Im Mittelpunkt steht Ihre eigene Sicht:
Wie konnte es zu der Situation kommen?
Was können Sie selbst verändern, um Eskalationen in Zukunft zu vermeiden?
Das kann zum Beispiel sein:
der Umgang mit Impulsivität oder Aggression
der Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen
bessere Kommunikation und Konfliktlösung
Unterstützung bei konkreten Problemen im Alltag
Wir bieten keine Rechtsberatung an.
Nach dem Gespräch vermitteln wir Sie an eine passende spezialisierte Beratungseinrichtung. Dort besprechen Sie alles Weitere mit den zuständigen Fachkräften.
In akuten Situationen können bei der Servicestelle Wegweiser bis zu drei Gespräche zur Krisenintervention stattfinden. Auch hier ist unser Ziel, Sie langfristig an ein geeignetes Hilfsangebot anzubinden
Wie kommen wir an Ihre Daten?
Die Servicestelle Wegweiser nimmt nur dann aktiv Kontakt auf, wenn Sie ausdrücklich zustimmen.
In der Regel geschieht dies:
beim Polizeieinsatz
bei einer polizeilichen Vernehmung oder
im Rahmen einer Gefährderansprache
Dort können Sie eine Einverständniserklärung ausfüllen. Damit erlauben Sie, dass Ihre Kontaktdaten (Telefon, E-Mail oder Postadresse – je nach Wunsch) sicher an die Servicestelle Wegweiser weitergegeben werden.
Wir melden uns innerhalb von zwei Werktagen bei Ihnen.
Wichtig:
Sie können die Kontaktaufnahme jederzeit ablehnen
auch später, ohne Angabe von Gründen
es entstehen keine Nachteile für ein laufendes Ermittlungsverfahren
Sie müssen kein Unterstützungsangebot annehmen
Sie können sich auch selbst bei uns melden
Unser Angebot richtet sich auch an Menschen, die selbst Kontakt aufnehmen, weil sie Unterstützung im Zusammenhang mit häuslicher oder anderer zwischenmenschlicher Gewalt suchen.
Dafür gilt:
Es muss keine Anzeige vorliegen
Es muss kein strafrechtlich relevantes Verhalten passiert sein
Frühe Unterstützung kann helfen, Gewalt zu verhindern.
Wir begleiten Sie dabei und zeigen Ihnen passende Wege der Hilfe auf.
Die Beratung bei der Servicestelle Wegweiser ist kostenlos und auf Wunsch auch anonym möglich. Es muss vorab ein Termin vereinbar werden. Kontaktieren Sie uns gerne dazu.
Erreichbarkeit der Servicestelle Wegweiser
Die Servicestelle Wegweiser in Berlin ist in der Regel montags bis freitags von 9:00 bis 15:00 Uhr telefonisch erreichbar. Beratungen im Bereich Täterarbeit und häusliche Gewalt finden nach individueller Absprache statt. Während laufender Beratungen sowie außerhalb der Sprechzeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet – wir rufen gerne zurück. Sie können sich auch über das Kontaktformular auf unserer Website bei uns melden.
Unsere Kooperationseinrichtungen
Das Berliner Zentrum für Gewaltprävention (BZfG). e.V. berät und schult seit 2000 gewalttätige und aggressiv auffällige Menschen.
Das Projekt Beratung für Männer - gegen Gewalt zeigt Männern, wie sie Konflikte gewaltfrei lösen.
Stop-Stalking Berlin ist eine Beratungsstelle für Menschen, die stalken oder gestalkt werden.